von agrathaer

Fotos: Carla Ulrich

Mitmach-Hofdinner

Vom Acker auf den Teller

Beim Mitmach-Hofdinner auf dem Hof Basta drehte sich alles um die Frage, wie regionale und saisonale Ernährung praktisch gelingen kann. Brandenburg im Wandel und das KollektiF aufgetischt luden zu einem Hof-Aktionstag ein, der Landwirtschaft, gemeinsames Kochen und Genuss miteinander verband.

Das zentrale Prinzip des Hofdinners war dabei bewusst einfach: Es wird aufgetischt, was auf dem Hof wächst. Im Mittelpunkt stand das Experiment, ein möglichst vollständiges Menü mit Produkten zu kochen, die auf dem Hof angebaut werden, dort wild wachsen oder aus der unmittelbaren Umgebung stammen.

Auf dem Hof Basta standen im August 2024 unter anderem Gemüse, Beeren, Äpfel, verschiedene Getreide, Leinsamen, Leinöl und Honig zur Verfügung. Ergänzt wurden die Zutaten nur durch wenige regionale beziehungsweise in Deutschland erzeugte Produkte wie Raps- und Sonnenblumenöl, Salz und Zucker.

Kreativität durch Begrenzung

Die bewusste Beschränkung auf verfügbare regionale Zutaten machte das gemeinsame Kochen zu einer besonderen Herausforderung. Wie lässt sich beispielsweise Säure oder Schärfe in ein Gericht bringen, wenn Essig oder Pfeffer nicht zur Verfügung stehen? Solche Fragen führten zu einem kreativen Umgang mit den vorhandenen Lebensmitteln und machten gleichzeitig sichtbar, wie selbstverständlich viele importierte Zutaten im Alltag geworden sind.

Am Ende entstand die Erfahrung, dass auch mit einer stark begrenzten Auswahl an Zutaten ein vielfältiges und schmackhaftes Menü möglich ist. Die Teilnehmer konnten regionale Lebensmittel dadurch nicht nur kennenlernen, sondern unmittelbar verarbeiten und genießen.

Landwirtschaft erleben

Ergänzt wurde das Hofdinner durch verschiedene Angebote auf dem Hof. Bei einer Hofführung mit Verkostung erhielten die Teilnehmer Einblicke in die kleinteilige und vielfältige landwirtschaftliche Produktion und lernten unterschiedliche Kulturen und Sorten kennen. Eine essbare Installation machte die Sorten- und Geschmacksvielfalt zusätzlich sichtbar.

Im Kochworkshop bereiteten die Teilnehmer unter professioneller Anleitung verschiedene Gänge für das anschließende gemeinsame Dinner zu. So entstand ein direkter Bezug zwischen landwirtschaftlicher Produktion und dem Essen auf dem Teller.

Produzenten und Konsumenten an einem Tisch

Ein wichtiges Anliegen des Projekts war es, Menschen, die Lebensmittel erzeugen, und Menschen, die sie konsumieren, miteinander ins Gespräch zu bringen. Das gemeinsame Kochen und Essen schuf einen niedrigschwelligen Rahmen, um über Landwirtschaft, regionale Wertschöpfung, saisonale Ernährung und die eigenen Konsumentscheidungen zu sprechen.

Dabei wurde auch das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft vorgestellt. Die Teilnehmer konnten erfahren, wie eine direkte Verbindung zwischen landwirtschaftlicher Produktion und Verbrauchern funktionieren kann und welche Möglichkeiten sich daraus für eine regionale und vielfältige Lebensmittelversorgung ergeben.

Ein Rezeptheft für die regionale Küche

Aus dem Projekt entstand ein Rezeptheft (PDF, 1,5 MB), das die beim Mitmach-Dinner entwickelten Gerichte dokumentiert und praktische Anregungen für eine „radikal regionale“ Küche gibt. Es zeigt, wie sich Rezepte saisonal anpassen lassen und wo regionale Lebensmittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse bezogen werden können.

Darüber hinaus entstand eine Anleitung für Solidarische Landwirtschaftsbetriebe (PDF, 2,3 MB), die das Konzept eines solchen Hofdinners selbst umsetzen möchten. Darin werden Erfahrungen aus dem Projekt, Hinweise zur Planung und Ideen für die Gestaltung des Tages weitergegeben.

Damit wurde aus dem einzelnen Hof-Aktionstag ein übertragbares Format: Andere Höfe können das Prinzip aufgreifen und ihr eigenes Hofdinner gestalten – unabhängig davon, welche Produkte auf ihrem Hof wachsen oder welches Rahmenprogramm sie anbieten.

Das Prinzip: Aufgetischt wird, was der Hof hergibt

Das Herzstück des Konzepts bleibt dabei das Hofdinner selbst: gemeinsam mit möglichst wenigen Ausnahmen aus dem zu kochen, was auf dem Hof wächst, wild wächst oder in unmittelbarer Umgebung produziert wird.

Die Begrenzung schafft nicht nur eine kulinarische Herausforderung, sondern lenkt den Blick auf die Herkunft unserer Lebensmittel. Sie macht sichtbar, welche Produkte vor Ort verfügbar sind, welche Zutaten normalerweise selbstverständlich aus anderen Regionen oder Ländern kommen und welches Potenzial in einer vielfältigen regionalen Landwirtschaft steckt.

Das Mitmach-Hofdinner verbindet damit Genuss, Bildung und Landwirtschaft auf besondere Weise – und liefert zugleich ein Format, das auch an anderen Höfen umgesetzt werden kann.